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Altes Dokument ueber Plurs (Piuro) und den Speckstein (pietra ollare).
"Schon seit alten Zeiten ist Plurs beruehmt, besonders wegen bestimmter, aus speziellem Gestein gedrechselten Behaeltem, die sog. 'laveggi', die man in dieser Gegend fast immer findet: das Steinmaterial wird aus einem Bergmassiv gefoerdert, das sich an der linken Seite des Flusses befindet, und zwar erfolgt die Foerderung aus Hoehlen von unglaublicher Enge und Tiefe. Die Maenner muessen sich allein mit Haenden und Fuessen, beziehungsweise auf den Knien, muehsam vorwaerts arbeiten in den schmalen Stollen: Sie dringen ueber geschlagene Stufen in den Berg bzw. in den Felsen ein; aufgrund des andauernden Grabens und der Au.sheutung der Bergmasse hat sich diese im Laufe der vielen Jahrhunderte immer weiter gesenkt. Nachdem sie vom Fels getrennt sind, werden die Steinstuecke oder kompakten Bloecke mit Hammer und speziellen Pickeln bearbeitet und in die fuer die "laveggi" typische, abgerundete Form gebracht und dann gefoerdert. Da in den engen Stollen keine Moeglichkeit besteht, sich gegenseitig zu helfen beim Transport, werden die Steinmassen auf den Ruecken oder besser noch, an die Beine der arbeitenden Maenner gebunden, die sich dann vorsichtig ueber die Stufen hinwegschleifen und versuchen, mit langsamen Bewegungen dann endlich ans Tageslicht zu gelangen. Die Stehlstuecke oder kompakten Bloecke werden dann - je nach Beschaffenheit - von 4, 6 oder 8 Maennern nach Plurs zu den Werkstaetten transportiert, die sich laengs des Flusses befinden. Dort werden die "laveggi" kunstgerecht mit Hilfe von Flusswasser und verschiedenen Meisseln (kurze, lange, gerade und gebogene Typen) bearbeitet und gedrechselt und auf fast unglaubliche Duenne reduziert. Aus einem einzigen Block koennen erstaunlich viele Gefaesse hergestellt werden - mal mehr - mal weniger, aber oft sind es zwanzig und mehr, manchmal bis zu 28 Stueck. Da die Gefaesse alle abnehmende Dimensionen haben, sind sie stapelbar, bzw. passen ineinander. Die "laveggi" sind am oberen und unteren Rand mit einem Kupfer- oder Eisendraht umfasst und mit einem Henkel oder Griff ausgestattet, um sie ueber eine Feuerstelle haengen zu koennen. So beschaffene Kochtoepfe und Kochkessel nannte man urspruenglich "lebetes", aber sowohl die Raetier. die frueher latein sprachen, als auch die Italiker nennen sie einfach nur "lavets", obwohl Ovid schrieb:... "zwanzig fahle 'lebeti' aus verarbeitetem Metall..." Obwohl diese Toepfe derart muehevoll und zudem auch noch aus minderwertigem, zerbrechlichen Material hergesellt werden, und auch leicht schmelzen, werden sie ueberall in den Nachbarorten sehr geschaetzt und sind sehr verbreitet in Italien; sie werden sogar exportiert in grossen Mengen. Es wird behauptet und in der Praxis bestaetigt, dass diese Behaelter keinerlei Giftstoffe in sich aufnehmen, und auch wenn toxische Substanzen in ihnen zum Kochen gebrach werden, loesem sich diese auf und werden ausgeschieden. Aufgrund der besonderen Beschaffenheit des Specksteins kann es vorkommen, dass er Risse bekommt oder aehnliche kleine Schaeden. Der Riss wird repariert und Eisen- bzw. Kupferdraehte dazu benutzt, sie zusammenzuhalten, wie es frueher ganz Arme bei den Holzschuesseln machten. Vielleicht habe ich mich etwas zu weitschweifend mit diesem Thema befasst, aber ich bezweifele, dass es etwas derartiges irgendwo in der Welt gibt - ausser auf der Insel Sifno - und ich weiss auch nicht, ob irgendwer etwas Schriftliches ueber dieses Argument verfasst hat. Nur bei dem weisen Dichter Francesco Negri kann man in seiner 'Raetia' folgendes finden: .."ich zweifle nicht daran, dass Plinio dies geschrieben hat in Bezug auf die Verarbeitung der 'laveggi di Piuro', sei es weil das Gebiet von Piuro und das Nachbargebiet von Chiavenna an den Comer See grenzen (einmal gehoerte es sogar unter die Rechtsprechung von Como) sei es weil das Gestein, das in Piuro zu 'laveggi' wird durch das o.a. System, fast von gruener Farbe ist". Auszug aus einem Schriftstueck von Ulrich Campell, 1573. Verfasst in Lateinischer Sprache und uebersetzt..
Auszug aus einem Schriftstueck von Ulrich Campell, 1573. Verfasst in Lateinischer Sprache und uebersetzt. |
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